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62. Was wirklich zählt

Rabbinische Lehrgespräche gehörten zur Kultur der Juden. Anders als lange Monologe in Form einer Rede oder Predigt laden jene Gespräche zum Zuhören und Nachfragen ein. Oft verdeutlichten die Rabbiner ihre Aussagen durch Bildgeschichten aus dem Alltag oder durch Gegenstandslektionen. Unterschiedliche Sichtweisen wurden dabei häufig diskutiert und gemeinsam näherte man sich einer guten Lösung.

Auch Jesus benutzt jene üblichen Stilmittel. Die Antworten des Rabbi Jesus sind dennoch anders: Sie sind ausgereift, voller Weisheit, sie umfassen Theorie und Praxis gleichermaßen. Diesen Antworten ist nichts hinzuzusetzen. Auf diese Weise kann man Jesus weder spöttisch herabsetzen noch Anklagegründe fingieren, um ihn zu exekutieren. Beschämt stehen die Sadduzäer mit ihren bösen Motiven da. Hingegen ziehen die Reden von Jesus interessierte und aufrichtige Menschen an:

Einer der Gesetzeslehrer hatte ihrem Streitgespräch zugehört und bemerkt, wie treffend Jesus den Sadduzäern antwortete. Nun trat er näher und fragte ihn: „Was ist das wichtigste Gebot von allen?“ „Das wichtigste“, erwiderte Jesus, „ist: ‚Höre Israel! Der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr. Und du: Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit all deiner Kraft!‘ An zweiter Stelle steht: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!‘ Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.“ Da sagte der Gesetzeslehrer: „Rabbi, das hast du sehr gut gesagt. Es ist wirklich so, wie du sagst: Es gibt nur einen Gott und außer ihm keinen. Und ihn zu lieben von ganzem Herzen, mit all seinen Gedanken und mit ganzer Kraft und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist viel mehr wert als alle unsere Opfer.“ Als Jesus sah, mit welcher Einsicht der Mann geantwortet hatte, sagte er zu ihm: „Du bist nicht weit weg vom Reich Gottes.“ Danach wagte niemand mehr, ihm eine Frage zu stellen.

Die Bibel, Markus-Evangelium Kapitel 12, Verse 28-34

Jesus sagt unmissverständlich, dass es einen Gott gibt: Nur einen. Das hat praxisrelevante Auswirkungen. Jeder Mensch ist aufgefordert, Gott zu lieben. Wie in einer logischen Verknüpfung folgt auf die Liebe zu Gott unweigerlich die Liebe zum Mitmenschen. Jesus zitiert Worte aus dem Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel, und zeigt damit: Gott geht mit Menschen lange Wege, aber er selbst ist unveränderlich - Gott (vgl. Deuteronomium 6,4-5 und Leviticus 19,18).

Religiöse Formen können Ausdruck dieser Liebe zu Gott sein, aber Liebe sprengt starre Formen und Gesetze und geht darüber hinaus. Da jeder von uns ein einzigartiges Individuum ist mit ganz besonderen Begabungen und Fähigkeiten, tritt die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen in vielfältiger, kreativer Form zutage.

Die Liebe zu Gott ist die natürliche Lebensäußerung eines Christen. Liebe kann man nicht erzwingen, sie wächst nur in der Freiheit. Aber für Liebe kann man sich entscheiden. Es geht nicht um ein diffuses Gefühl.

Vieles ließe sich über Agape-Liebe schreiben, von der hier die Rede ist. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr merke ich, dass ich bei der praktischen Umsetzung Hilfe brauche. Ich werde Gott bitten, mir zu helfen bezüglich der Liebe, die bei ihm zählt.

Tamara Schüppel

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