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64. Finanzen und Freiheit

Dann setzte sich Jesus in die Nähe des Opferkastens und sah zu, wie die Leute Geld hineinwarfen. Viele Reiche legten viel ein. Dann kam eine arme Witwe und steckte zwei kleine Kupfermünzen, zwei Lepta, hinein. Das entspricht dem Wert von einem Quadrans in römischem Geld. Jesus rief seine Jünger herbei und sagte zu ihnen: „Ich versichere euch, diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gesteckt als alle anderen. Denn die anderen haben nur etwas von ihrem Überfluss gegeben. Aber diese arme Frau, die nur das Nötigste zum Leben hat, hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“

Die Bibel, Markus-Evangelium Kapitel 12, Verse 41-44

Wenn man den damals üblichen Tageslohn auf durchschnittliche Lebenshaltungskosten in Deutschland umrechnet, dann hätte diese Witwe weniger als 1 € gespendet. Sie war wirklich arm! Und sie gab alles. Ist das nicht widersinnig? Sie hätte dafür durchaus noch Brot kaufen können… Und was nützt schon eine solch kleine Summe als Spende? Niemand drängte die Frau dazu. Hätte Jesus sie nicht „zufällig“ beobachtet, niemand hätte davon erfahren. Wirklich niemand? – Jene Frau muss anders gedacht haben. Jedenfalls achtet Jesus diese Tat. Er sagt, das Geld der armen Witwe sei viel mehr wert, als die großen anderen Spenden.

Gott beobachtet, was jeder von uns im Verborgenen tut und denkt. Er sieht unsere Motive und Beweggründe; er berücksichtigt, warum wir etwas tun.

Jesus würdigt die scheinbar unsinnige Tat jener armen Frau. Um so zu handeln, muss sie sich fest auf Gott verlassen. Sie muss vertrauen, dass Gott sie mit dem Nötigsten versorgt. Und andererseits muss sie begriffen haben, dass Gott aus einer kleinen Spende viel Gutes erwachsen lassen kann.

O, jenes Gottvertrauen bezüglich des Geldes ist uns hier in Deutschland wohl weitgehend abhandengekommen. Da gibt es Kranken- und Rentenversicherung, Mindestlohn und Arbeitslosenabsicherung… Und ich finde toll, dass wir in Deutschland solche guten sozialen Absicherungen haben! Aber gegen alles kann man sich auch heute nicht absichern. Leider passiert es immer wieder, dass jemand „durch die Maschen“ unseres Sozialnetzes fällt.

Jene Frau klammert nicht krampfhaft an dem bisschen Geld, das ihr bleibt. Sie jammert auch nicht über das Wenige. Sie ist frei, abzugeben. Haben Sie und ich auch diese Freiheit? Sind wir beispielsweise bereit, finanzielle Nachteile hinzunehmen, weil uns ein Mensch wichtiger ist, den wir unterstützen oder dem wir unsere freie Zeit und unsere Aufmerksamkeit schenken? Sind wir bereit, mit Notleidenden zu teilen? Können wir notfalls auf Absicherungen verzichten?

Ich werde mit Gott darüber sprechen. Denn ich möchte offen sein für seine Ziele, auch wenn das bedeutet, dass ich nicht immer 100 % abgesichert bin. Ich will mit Gott rechnen und mit seiner Sicht der Dinge unterwegs sein, weil mich das vor ängstlichem Klammern und Jammern bewahrt. Diese Freiheit wünsche ich mir.

Tamara Schüppel

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