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82. Wer ist glaubwürdig?

Aktualisiert: 28. Dez 2020

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Die letzte Etappe endete damit, dass einige Frauen entsetzt aus der Grabkammer des Felsengrabes flohen. Ihnen war dort ein junger Mann begegnet, der sagte, dass Jesus vom Tod auferstanden sei.


Nach seiner Auferstehung am frühen Sonntagmorgen erschien Jesus zuerst der Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie ging zu den Jüngern, die um ihn trauerten und weinten, und berichtete ihnen, dass Jesus lebe und sie ihn gesehen habe. Doch sie glaubten ihr nicht. Danach zeigte sich Jesus in anderer Gestalt zwei von ihnen, die zu einem Ort auf dem Land unterwegs waren. Sie kehrten gleich zurück und berichteten es den anderen. Doch auch ihnen glaubten sie nicht. Schließlich zeigte sich Jesus den elf Jüngern selbst, als sie beim Essen waren. Er rügte ihren Unglauben und Starrsinn, weil sie denen hatten nicht glauben wollen, die ihn als Auferstandenen gesehen hatten.

Die Bibel, Markus-Evangelium Kapitel 16, Verse 9-14


Jesus begegnet zum ersten Mal nach seinem Tod selbst einer Person. In einer männerdominierten Gesellschaft würde man erwarten, dass Jesus zuerst besonders wichtigen und glaubwürdigen Männern erscheint, die diese Nachricht weitergeben sollen. Vermutlich sind die Schüler von Jesus geeignete Persönlichkeiten, denken wir. Stattdessen erscheint Jesus einer Frau, die er mit dieser Botschaft losschickt. Damit sprengt Jesus kulturelle Schranken und betont seinen abweichenden Wertmaßstab.

Maria aus Magdala war von Jesus geheilt worden. Wie das mit der Austreibung der Dämonen zu verstehen ist, beschäftigte uns beispielsweise in Etappe 03. Seitdem war sie gemeinsam mit anderen Frauen und Männern Jesus gefolgt. Maria richtet die Botschaft von Jesus aus, aber keiner glaubt ihr. Danach erscheint Jesus zwei weiteren Leuten. Die Jünger jedoch glauben nichts.


Jesus legitimiert die Frau genauso wie die anderen Boten, indem er kurz darauf die Nachricht persönlich bestätigt. Er schimpft hingegen mit seinen Schülern, dass sie seinen Boten nicht geglaubt hatten. Woran hätten die jedoch die Glaubwürdigkeit erkennen können?

1. Lange vor seinem Tod hatte Jesus seine Auferstehung mehrmals vorausgesagt.

2. Maria aus Magdala war den Jüngern bekannt, gemeinsam mit anderen war sie lange Zeit mit Jesus unterwegs. Sie wagte das, was die meisten anderen nicht wagten: Sie blieb sogar während der Hinrichtung in seiner Nähe.

3. Ihre Aussage wurde durch zwei unabhängige Zeugen unterstützt.


Natürlich müssen auch wir die Glaubwürdigkeit eines Botschafters prüfen. Dafür gelten die gleichen Prinzipien wie damals:

1. Stimmt die Aussage mit der Bibel, dem Wort Gottes, überein?

2. Hat die Person, die dies behauptet, eine in Wort und Tat erkennbare Beziehung zu Jesus und zu Gott?

3. Gibt es unabhängige Hinweise, dass die Aussage der Wahrheit entspricht?

4. Im Zweifelsfall haben wir die Möglichkeit, Jesus selbst um Legitimation eines Botschafters zu bitten. Wir dürfen Jesus bitten, uns in einer bestimmten Situation die Wahrheit zu zeigen.


Wenn Jesus Botschafter beauftragt, dann sind das auch heute nicht immer anerkannte Fachleute für Glauben und Religion. Jesus durchbricht vorhandene Hierarchien. In unserem Bibeltext erkennen wir, was Jesus stattdessen betont: Die Gleichstellung aller seiner Nachfolger und deren Gottesbeziehung (vgl. Matthäus 23,8-12).


Tamara Schüppel