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H01 Der Brief an die Hebräer:

  • vor 5 Tagen
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Von jüdischer Geschichte bis enthusiastischem Appell
Von jüdischer Geschichte bis enthusiastischem Appell

Die Gegenwart gut beurteilen und gestalten können – dazu brauchen wir den Gesamt-überblick sowie gute Kenntnis der Wurzeln. Die Wurzeln unserer westlichen Gesellschaft sind zutiefst christlich geprägt, auch wenn wir das heute im Alltag kaum wahrnehmen. Und das Christentum erwuchs aus dem Judentum (vgl. Johannes 4,22).

 

Der Brief an die Hebräer gewährt uns unter anderem einen genialen Überblick: von der Wurzel, dem Judentum, – über den ver-heißenen Messias – zum Christentum. Gott geht mit der Menschheit durch lange zielgerichtete Prozesse – und der Hebräerbrief erklärt rückblickend, was Menschen oft übersehen. Unsere Geschichte ist nicht nur ein horizontaler Ablauf, sondern steht mit der Vertikalen, mit Gott, in untrennbarem Zusammenhang. 

 

Dennoch ist dieses Schreiben im Neuen Testament keine theologische oder geschichtliche Abhandlung. Vielmehr kann man den Hebräerbrief als enthusiastischen Appell um ein zentrales Thema verstehen: Es geht um Jesus. Wer ist diese Person? Und warum hat dieser Jesus universale Bedeutung? 

 

Ist das eine realistische Option im 21. Jahrhundert? – Man kann Jesus von vornherein als unrealistisch deklarieren. Das ist eine Entscheidung. Oder man kann ergebnisoffen suchen.

 

Beginnen wir zunächst mit einigen Fakten zum Hintergrund des Hebräerbriefes: 

 

Der Verfasser ist nicht bekannt. Es gibt verschiedene Hinweise, aber letztlich ist keine eindeutige Zuordnung möglich. Offensichtlich handelt es sich um ein apostolisches* Schreiben aus der Zeit kurz vor der Zerstörung des Tempels in Jerusalem: In Hebräer 8,13 lesen wir von dem veralteten und überlebten Bund, der „dem Verschwinden nahe“ ist.**  In dieser Zeit schreibt jemand irgendwo in Italien den Hebräerbrief (vgl. Hebräer 13,24). An wen sich der Verfasser genau richtet, ist ebenfalls unbekannt. Es ergeben sich einige Rückschlüsse aus dem Inhalt des Schreibens:

 

Auf den ersten Blick wirkt der Brief sehr judenchristlich; man nimmt deshalb an, dass das Schreiben zunächst an eine Gruppe von Judenchristen gerichtet war. Alttestamentliche Theologie wird hier rückblickend im Licht des Messias Jesus erklärt. Diese rückwärtsgewandte Prophetie eröffnet jedoch auch Christen ohne jüdischen Hintergrund wichtige Glaubensgrundlagen. So gewinnen wir alle bis heute einen Einblick in Gottes geniales Konzept.

 

Zudem erfahren wir im Hebräerbrief: Seit Menschengedenken hat Gott immer wieder Kontakt zu uns gesucht. Gott will, dass wir unsere Chance begreifen und wahrnehmen. Denn es gibt ein Leben nach dem Tod und ein gerechtes Gericht für Gegner Gottes (vgl. Hebräer 9,27); es gibt Gnade und Barmherzigkeit für jeden, der Gott von Herzen sucht und ihm im Glauben verbunden bleibt (vgl. Hebräer 4,16 und 10,23). Und während wir mit dem guten Gott unterwegs sind, beeinflussen wir unser Umfeld zum Guten. Der Schöpfergott, der Kreator des menschlichen Zusammenlebens, „rüstet uns aus mit allem Gutem“ (vgl. Hebräer 13,20-21). Das geschieht, trotzdem Christen – wie alle anderen Menschen – nicht fehlerfrei und sündlos leben. Die guten Werte, nach denen sich unsere Gesellschaft sehnt, kommen aus guten inneren Einstellungen und der Verantwortung vor Gott. (vgl. Hebräer 11,6; Hebräer 12,28-29; vgl. auch Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland)

 

Gute innere Einstellungen und die Verantwortung vor Gott – darum geht es im Hebräerbrief. Viele Christen waren damals bereits Flüchtlinge, ihre Zukunft sah düster und lebensbedrohlich aus. Trotzdem ist der Schreiber dieses Briefes fest überzeugt, dass sich Jesus-Nachfolge lohnt.

 

Der Hebräerbrief ist keine leichte Lektüre, auch nicht für Christen:

  • Wollen Sie Jesus mit seiner universalen Bedeutung besser kennenlernen?

  • Sind Sie unsicher (geworden), ob sich Glauben lohnt?  

  • Möchten Sie trotz Widerstand als Christ aktiv bleiben?

  • Möchten Sie immer mehr „ausgerüstet werden mit allem Guten“?

 

Dann kommen Sie gern mit mir auf Erkundungstour. Ich laufe gespannt los und erwarte Gottes vielfältigen Segen.  

 

Tamara Schüppel

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Anmerkungen:

   apostolisches Schreiben: von einem Apostel verfasst. Das Wort ‚Apostel‘ kommt aus der altgriechischen Sprache und bedeutet ‚Gesandter‘. Apostel sind Augenzeugen Jesu und Gesandte Gottes, die als geistliche Führungspersönlichkeiten die Gemeinschaft der Christen aufbauen sollen. Sie sind Vordenker in Gottes Namen, Verantwortungsträger, Wegbereiter. Augenzeuge war übrigens auch Paulus, der Jesus zwar nicht persönlich als Mensch kennenlernte, aber ein entsprechendes Erlebnis hatte (vgl. 1. Kor 15,3-9).

 

**   Seit der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. können Juden keine täglichen Opfer darbringen, die ein wichtiges Kennzeichen jenes Bundes darstellten. Schon mehr als zwei Jahre zuvor war die Niederlage der Juden im Krieg gegen die Römer absehbar. Die Christen in Jerusalem verließen diese Stadt bereits im Jahr 68 n.Chr.; sie stützten sich dabei möglicherweise auf Jesu Aussagen in Lukas 21,20-24.

 

 

 

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