H02 Wer ist der Sohn Gottes?
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Eindrucksvolle Eröffnung: Der Vorhang geht auf. Hier, zu Beginn des Hebräerbriefes, spricht ein Prophet Fakten aus, von denen jeder einzelne des tiefen Nachsinnens wert ist.
Zunächst stellt der Leser des griechischen Grundtextes fest, dass der Brief in einem ausgesprochen eleganten Stil verfasst ist. So schrieben damals Menschen mit außergewöhnlichen literarischen Fähigkeiten und guter Rhetorikausbildung. Gewinnen wir zunächst einen Gesamteindruck:
Nachdem Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hatte durch die Propheten,
hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet durch den Sohn,
den er eingesetzt hat zum Erben aller Dinge
und durch den er die Welten geschaffen hat.
Er, der Abglanz seiner Herrlichkeit und Abbild seines Wesens ist,
der das All trägt mit dem Wort seiner Macht,
der Reinigung von den Sünden geschaffen hat,
er hat sich zur Rechten der Majestät in den Höhen gesetzt,
weit erhabener geworden als die Engel,
wie er auch einen Namen geerbt hat, der den ihrigen weit überragt.
Die Bibel, Brief an die Hebräer 1,1-4 (Übersetzung: Zürcher Bibel 2007)
Gott redet zu uns, Gott sucht Kontakt zu Menschen: Er sprach durch viele verschiedene Menschen – in kunstvoller Dichtung, in Prosa, in Geschichtsschreibung oder durch beispielhaftes Handeln – und zum krönenden Abschluss sprach er durch seinen Sohn.
Wer ist dieser Sohn?
Aus den Evangelien kennen wir Jesus als Menschen, als nahbares Gegenüber. Hier in dieser eindrucksvollen Eröffnung wird er uns als ehrfurchtgebietende, hoch erhabene Persönlichkeit präsentiert. Auch das ist Jesus. Er stellte sich selbst häufig als Sohn Gottes vor und sagte den Menschen schon damals, dass ihm „alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist“ (vgl. Matthäus 28,18). Wir wollen Jesus nicht einseitig und beschränkt verstehen. Deshalb wenden wir uns den aufschlussreichen Fakten nun genauer zu:
Der Sohn Gottes ist eingesetzt zum Erben aller Dinge. Ein Erbe ist Rechtsnachfolger. Das bedeutet: Jesus hat die gleichen Rechte wie Gott, der Vater. Der Sohn Gottes ist rechtmäßiger Eigentümer aller Dinge. Denn:
Durch Jesus hat Gott, der Vater, die Welten geschaffen. Jesus ist der Schöpfer des Universums: Er schuf die Gesamtheit von Raum und Zeit sowie alle Materie und Energie darin.
Der Sohn ist der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und Abbild von Gottes Wesen. Jesus spiegelt Gott, den Vater, in seiner herrlichen Erscheinung und in seinem Wesen vollkommen wider. Gottes Herrlichkeit bedeutet unvorstellbare Schönheit. Manchen Menschen gewährte Gott einen kleinen Einblick in seine Welt. Mit Hilfe von wertvollen Edelsteinen und kostbaren Edelmetallen versuchten sie, uns diese Herrlichkeit vor Augen zu malen. Dabei geht es jedoch gleichzeitig um Gottes Wesen: Jesus zeigt uns, wie Gott ist, wie Gott handelt. Er ist unvorstellbar gut: Liebevoll, barmherzig, heilend, belebend, Recht und Gerechtigkeit schaffend …
Der Sohn trägt das All mit dem Wort seiner Macht. Jesus wirkt erhaltend. Stellen Sie sich vor, die Planeten würden ihre Umlaufbahn verlassen. Das Leben auf der Erde ist davon abhängig, dass alle uns bekannten und auch die noch nicht erforschten Naturgesetze fortwährend funktionieren. Wissenschaftler erforschen Katastrophenszenarien, die eintreten, wenn die Temperatur auf der Erde auch nur um wenige Grad Celsius ansteigt.
Der Sohn hat Reinigung von den Sünden geschaffen. Sünde - das ist Trennung von Gott. Menschen wählten die Gottesferne. Diese bewusste Entscheidung ist Rebellion gegen den wohlwollenden Eigentümer und Schöpfer. Weil Gott das Leben in Person ist, bedeutet Gottesferne logischerweise Tod. Jetzt sind Menschen automatisch im Tod gefangen und der gerechte Gott kann Sünde nicht einfach übersehen. Jesus, der Sohn Gottes, bewirkte Rettung: Durch seinen Stellvertretertod am Kreuz können wir von aller Sünde gereinigt werden. Wir dürfen wieder in Gottes Nähe, wir dürfen ewig mit ihm leben!
Der Sohn hat sich zur Rechten der Majestät in den Höhen gesetzt. Während er als Mensch auf dieser Erde lebte, hat sich Jesus bewusst und freiwillig sehr erniedrigt. Statt in Herrlichkeit und Ehre bei Gott, dem Vater, zu leben, beschränkte er sich auf ein irdisches Dasein als Mensch und ließ sich herabwürdigen bis zum Verbrechertod am Kreuz. (vgl. Philipper 2,6). Aber jetzt – nach seiner Himmelfahrt – hat er seine hoch erhabene Stellung neben Gott, dem Allerhöchsten, wieder eingenommen.
Der Sohn ist weit erhabener geworden als die Engel, wie er auch einen Namen geerbt hat, der den ihrigen weit überragt. Als Mensch war Jesus für kurze Zeit auch unter die Engel erniedrigt. Jetzt ist er in alle Rechte als Herrscher wieder eingesetzt:
Engel sind himmlische Wesen, die von Gott geschaffen wurden, damit sie ihm dienen, beispielsweise als Boten. Jesus ist demgegenüber Gottes Sohn. Alle Reiche dieser Erde, genauso wie himmlische, für uns unsichtbare Sphären unterstehen ihm in Legislative (Gesetzgebung), in Exekutive (ausführende Gewalt, Verwaltung) und in Judikative (Rechtsprechung). Gott wird entscheiden, wann Jesus seine reinigende, heilmachende und gerechte Macht gegen alle Widerstände durchsetzen wird.
Auch jeder Mensch wird Jesus als allerhöchsten Herrn anbeten, spätestens bei seinem gerechten Gericht: Wer die Reinigung von Sünden nicht wollte, der wird für seine Sünden von Jesus gerichtet. Das Urteil lautet dann: Ewige Gottesferne. Das ist der furchtbarste und qualvollste Zustand, den es gibt. Im Namen Jesus liegt also Rettung und Verurteilung, Wohl und Wehe.
Der Sohn Gottes wird uns in dieser Eröffnung als kontraststarke Persönlichkeit vorgestellt. Jesus ist der menschenfreundliche Retter und zugleich der Allerhöchste: ehrfurchtgebietend – majestätisch – hoch erhaben. Dieser Jesus ist Gottes persönliches Kontaktangebot an uns.
Wollen wir dem Sohn Gottes wirklich sagen, dass wir gerade keine Zeit für ihn haben?
Oder dass wir uns seine Existenz nicht vorstellen können und keine Lust haben, die Wahrheit zu suchen?
Angemessener sind andere Reaktionen:
=> Lernen wir Jesus kennen, indem wir die Wahrheit aktiv suchen!
=> Wenn wir Gott bereits kennen, können wir über die faszinierende Persönlichkeit Jesus nachdenken und mit ihm sprechen. Beten zu Jesus bedeutet Audienz beim Allerhöchsten. Vielleicht möchten Sie Jesus durch Musik oder Kunst ehren – nutzen wir unsere Kreativität.
Tamara Schüppel
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