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J80 Wenn Erkenntnis zur Herzenssache wird

  • Tamara Schüppel
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

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... wachsen Menschen über sich selbst hinaus
... wachsen Menschen über sich selbst hinaus.

Wertschätzung für einen Menschen zeigt man am besten zu dessen Lebzeiten. Jedoch drückt auch ein würdiges Begräbnis Achtung aus und gibt Einblick in die persönliche Einstellung der Hinterbliebenen zum Verstorbenen.

Für einen Verbrecher kommt ein wertschätzendes Gedenken eher nicht infrage. Im Gegensatz dazu setzten hochangesehene Menschen der damaligen Gesellschaft für Jesus ihren Ruf und ihre persönliche Sicherheit aufs Spiel, um ihm die letzte Ehre im menschlichen Leben zu erweisen:

 

Josef von Arimatäa, der ein Jünger Jesu war - ein heimlicher zwar aus Furcht vor den Juden -, bat Pilatus, dass er den Leib Jesu herabnehmen dürfe; und Pilatus erlaubte es. Also ging er und nahm seinen Leib herab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal nachts zu ihm gekommen war, und brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe mit, etwa hundert Pfund. Sie nahmen nun den Leib Jesu und wickelten ihn zusammen mit den wohlriechenden Salben in Leinenbinden ein, wie es bei einem jüdischen Begräbnis Sitte ist.

Es war aber an dem Ort, wo er gekreuzigt worden war, ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab, in das noch niemand gelegt worden war. Dort nun legten sie Jesus hin, weil die Juden Rüsttag hatten und das Grab in der Nähe lag. 

Die Bibel, Johannes-Evangelium 19,38-42 (Zürcher Übersetzung 2007)

 

Beide Männer waren hochangesehen im Volk der Juden. Sie bemühten sich ehrlich, Gott zu dienen und gerecht zu leben.

Joseph von Arimatäa gehörte zum Hohen Rat der Juden, zur religiösen Führungsschicht. Aus Furcht vor Repressalien seiner Amtskollegen hatte er bisher seine Haltung zu Jesus verheimlicht. Allerdings beteiligte er sich nicht an der Verurteilung Jesu (vgl. Lukas 23,50-53).

Nikodemus war Pharisäer, Schriftgelehrter und ebenfalls Mitglied des Hohen Rates. Seine hohe Stellung im öffentlichen Leben hinderte ihn nicht, die Wahrheit intensiv zu suchen (vgl. Johannes 3,1-21). Er blieb lernbereit und aufrichtig, auch wenn das für ihn Kurskorrektur bedeutete. Deshalb trat er bereits längere Zeit vor Jesu Kreuzigung im Hohen Rat für diesen ein (vgl. Johannes 7,50-52).

 

Beide Männer scheinen jetzt endgültige Konsequenzen nicht mehr zu scheuen. Sie wollen sich bewusst absetzen vom himmelschreienden Machtmissbrauch ihrer religiösen Amtskollegen. Sie wollen aufrichtig und gottesfürchtig leben und sie tun es. Ihnen ist sicher klar, dass ihre Taten dem Hohen Rat keinesfalls verborgen bleiben würden. Ungeachtet ihrer eigenen bedrohlichen Situation stellen sie sich bewusst auf die Seite der Gerechtigkeit und damit zu Jesus, dem öffentlich Hingerichteten.

 

Gemeinsam nutzen sie den Rüsttag, um Jesus ehrenvoll in würdigem Umfeld zu begraben. Am darauffolgenden Tag, dem Sabbat, wollen sie Gott gedenken und Ruhe wahren. Sicher haben beide Männer zu diesem Zeitpunkt jede Menge Fragen: Warum griff Gott nicht ein; warum ließ er dieses fruchtbare Unrecht zu? Und wo ist Gott jetzt? Joseph und Nikodemus verstehen Gott in dieser Situation nicht; aber Gott ist dennoch mit ihnen, während sie mutig das Wenige tun, was sie momentan tun können: Wenigstens ein ehrenvolles Begräbnis für Jesus.

 

Joseph und Nikodemus lassen sich nicht länger von Angst und gesellschaftlichem Druck lähmen. Sie verkriechen sich auch nicht demotiviert in einen Winkel, weil sie Gott nicht verstehen. Mutig laufen sie trotzdem los und tun das, was sie als gottgefällig erkannt hatten. Alte und neue Erkenntnisse verbinden sich ganz natürlich und situationsbedingt; mit ihrer aufrichtigen Herzenshaltung gestalten sie unter diesen schwierigen Umständen ein Geschehen, das Jesus ehrt. Dabei nutzen sie alle Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen: Gesellschaftliche Stellung, Geld und Besitz. Das ist weitaus mehr als das sture Befolgen von Geboten. Ohne es selbst zu bemerken, wachsen Joseph und Nikodemus dadurch über sich selbst hinaus.

 

Wagen wir es auch, aktiv zu werden für und mit Gott?


Wenn unsere Gotteserkenntnis zur Herzenssache wird, können wir mit Gottes Hilfe über uns selbst hinauswachsen. Vielleicht brauchen auch wir den Mut, uns dem gesellschaftlichen Gegenwind zu widersetzen und notfalls Repressalien in Kauf zu nehmen. Vielleicht merken wir erst im Rückblick: Auf Gott können wir uns verlassen!

 

Tamara Schüppel

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