J87 Jesus-Nachfolge live
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Jesus-Nachfolge ist ein Lernprozess: Gerade ist Jesus mit Simon Petrus im Gespräch. Er will diesen Jünger vom Leistungsdruck befreien. Darum zeigt er ihm seine Liebe, indem er ihm verantwortungsvolle Aufgaben gibt – trotz des schlimmen Versagens von Petrus. Doch wie tief menschliches Konkurrenzdenken in Petrus verhaftet ist, zeigt dessen folgende Äußerung:
Da Petrus sich umwendet, sieht er den Jünger folgen, den Jesus liebte, der auch beim Mahl an seiner Brust gelegen und gesagt hat: „Herr, wer ist es, der dich ausliefern wird?“ Als nun Petrus ihn sieht, sagt er zu Jesus: „Herr, was wird aus ihm?“ Jesus sagt zu ihm: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was kümmert es dich? Folge du mir!“ Von da an ging unter den Brüdern die Rede, dass jener Jünger nicht sterben werde. Aber Jesus hatte ihm nicht gesagt, er werde nicht sterben, sondern: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was kümmert es dich?“
Die Bibel, Johannes-Evangelium 21,20-23 (Übersetzung: Zürcher Bibel 2007)
In diesem kurzen Textabschnitt stecken mehrere spannende Impulse, die ich Ihnen zum eigenständigen Erkunden anreißen möchte:
Kein Oberhirte
Falls Petrus selbst oder spätere Christen meinen, dass Jesus ihn mit seiner Berufung zum Oberhirten im Sinne eines Papstes macht, so geht Jesus sofort nach Bestätigung des Auftrages ganz entschieden dagegen vor: „Was geht es dich an, was ich mit Johannes vorhabe?“ Diesen Sachverhalt stellt Jesus auch an anderer Stelle unmissverständlich klar: „Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“ Matthäus 23,8
Leben mit Jesus in unserer Welt ist keine Perfektion:
Jesus will Petrus von Leistungsdruck und Konkurrenzdenken befreien (vgl. ►Etappe 86). Jedoch ändert Jesus seinen Jünger offensichtlich nicht in einem Augenblick. Erfahrene Christen wissen, dass so eine lebenslange und durchaus mühsame Arbeit beginnt. Dabei ist dieses wiederholte „Folge mir“ von großer Bedeutung: Jesus möchte den Blick des Petrus auf sich, den göttlichen Retter und Erlöser, lenken – aber der schaut auf Johannes und dessen Beziehung zu Jesus. Ganz ehrlich berichtet Gottes Wort, dass Petrus nicht perfekt war.
Mich fasziniert, wie Jesus uns hier am Schluss des Evangeliums seine Gelassenheit gegenüber unserer Unvollkommenheit und unserem Versagen vor Augen führt: Bei Jesus geht es darum, im Alltag unseres Lebens Glauben und Vertrauen zu Jesus immer wieder neu zu gestalten. Jesus will einen Prozess der Erneuerung anstoßen. Was uns an Perfektion fehlt, wird Jesus liebevoll ergänzen (vgl. Kolosser 1,22); ihm kommt es vorrangig auf unsere aufrichtige Haltung an, auf unser echtes und kontinuierliches Auf-Jesus-schauen und Nachfolgen.
Umgang mit Missverständnissen:
Offensichtlich gab es damals ein Missverständnis wegen jener Aussage von Jesus bezüglich des Jüngers Johannes. Weder Petrus noch die anderen Jünger verstanden immer sofort, was Jesus meint. Das konnten wir bereits wiederholt feststellen. Jesus löst das Missverständnis nicht gleich auf, denn zunächst verbreitet sich diese Meinung unter den Jüngern. Er weiß, dass seine Nachfolger vieles von dem, was er ihnen beibrachte, zumindest noch nicht vollständig verstehen. Jesus kann offensichtlich mit Fehldeutungen unsererseits leben. Das überrascht, oder? Bitte behalten wir dabei Folgendes im Blickfeld:
Jesus versprach, den Fürsprecher, den Heiligen Geist zu schicken, der uns alles lehren wird, was Jesus sagte (vgl. Johannes 14,26). Der Heilige Geist ist Gott; er gehört neben Vater und Sohn zur dreieinen Persönlichkeit Gottes! Hören wir auf ihn? Bemühen wir uns intensiv um praktische Umsetzung des Gelernten? Andernfalls kann es sein, dass Gottes Geist schweigt. Gehen wir nicht leichtfertig mit seinen Weisungen um.
Spätestens beim Tod des Apostels begriffen die Christen, dass sie Jesus falsch verstanden hatten, wenn sie meinten, dass Johannes so lange auf dieser Erde leben würde bis Jesus wiederkommt. Wenn wir mit Jesus unterwegs sind, wird es uns hin und wieder ähnlich gehen: Statt nun etwas zurechtzubiegen, um unsere Fehldeutung zu verschleiern, dürfen wir aufrichtig mit unseren Fragen zu Gott kommen. Wir können Fehldeutungen einsehen und auf neuer Grundlage durchstarten. Das ist die Demut, die Gott sich von uns wünscht!
Jesus seufzte über die Unverständigkeit der Jünger (vgl. Matthäus 15,16). Sind wir bereit, unsere Erkenntnisse immer wieder an Gottes Wort zu prüfen und zu hinterfragen? Jesus ist nicht verantwortlich für unsere Bequemlichkeit.
Bitte beachten wir: Nicht Gottes Wort bedarf der Revision, sondern ausschließlich unser Verständnis. Gottes Wort – die Bibel - spricht oftmals in ganz bestimmte kulturelle und gesellschaftliche Situationen. Gott kommuniziert auf diese Weise mit uns Menschen, damit wir ihn, den Ewigen und Allwissenden, wenigstens stückweise verstehen. Kulturelle und persönliche Umstände ändern sich fortlaufend, Gottes Wort bleibt jedoch unverändert gültig. Einerseits warnt Gott uns dringend davor, seinem Wort etwas hinzuzufügen oder etwas davon wegzulassen (vgl. Offenbarung 22,18-19). Andererseits warnt Gott vor gesetzlicher Auslegung seines Wortes! Lesen Sie dazu gern den Galaterbrief.
Jetzt sind Sie wieder dran: Ich wünsche Ihnen Gottes Segen bei Ihren individuellen Lernprozessen!
Tamara Schüppel



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